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Starkes Stück Düsseldorf

16.03.2017

Gelöste Stimmung in der Commerzbank. Kein Wunder: Wer zu einer Geburtstagfeier eingeladen ist, kommt nicht als Miesepeter an. 85 Jahre alt sind die Düsseldorfer Jonges geworden. Die Tischbaase hatten überwiegend dunkle Anzüge aus dem Schrank geholt.

Staatstragende Reden gab es nicht. Dafür eine ganze Menge an Anerkennung. An der Spitze der Gratulanten an diesem Abend: Dr. Susanne Anna, die Chefin des Stadtmuseums. Sie gratulierte zu Inhalt und Gestaltung der umfangreichsten Ausgabe der tor-Magazins, die es je gegeben hat. Mit diesem Jubiläums-tor, das exakt zum Vereinsgeburtstag am 16. März in 115 000 Exemplaren der Rheinischen Post regionalweit beigelegt war, machten sie sich die einem breiten Publikum bekannt.

Anna war im Bankhaus die einzige Frau. Eine mit wichtiger Funktion: Mit den Jonges zusammen gestaltet sie nämlich in ihrem Haus eine ambitionierte Ausstellung. Anlässlich eines großen Geburtstagsfestes, das die Jonges am 29. Juli diesen Jahres starten, klinkt sich der Verein erlebbar in die Stadtgeschichte ein. Die Jonges wollen Ausstellungsbesuchern über einen Zeitraum von vier Wochen zeigen, wie sie sich die innerhalb der letzten 85 Jahre in der Stadtgeschichte bewegt haben. Dabei geht es um wechselseitige Einflüsse. Zugleich stellen die Jonges ihr Archiv aus. Lebhafte Zeugnisse aus ihren eigenen Reihen wollen die einzelnen Tischgemeinschaften zeigen. Da ist – Stand heute – vieles in der Pipeline.

Oberbürgermeister Thomas Geisel, der seine vielen Abendtermine inzwischen im Minutentakt programmiert, hatte einen gläsernen Radschläger als Geburtstagsgeschenk im Gepäck. Auf der Rückreise von einem Termin in Frankreich hatte er bereits das brandneue tor-Magazin studiert und war – erwartbar – bei der Frauenfrage hängen geblieben. Das Redaktionsteam der Jonges hatte mit der Museumschefin Anna und der Gleichstellungsbeauftragten Elisabeth Wilfart zwei prominente Frauen gebeten, Stellung zu beziehen. Zu der Frage nämlich, ob ein reiner Männerverein noch zeitgemäß sei. Daraus wurde ein Streitthema, in das sich Geisel ziemlich persönlich einklinkte: „Wenn meine Frau als Gast bei Euch ist, fühlt sie sich stets sehr wohl.“

Lockere Stimmung beim Klassiker Senfrostbraten und Schoko-Nachtisch. Locker auch deshalb, weil Geisel mit einem sinnbildlich dicken Blumenstrauß gekommen war: Die Jonges ließen sich gern sagen, dass sie ein großartiges bürgerschaftliches Engagement an den Tag legten. In Fragen der Stadtgestaltung ebenso wie bei der Hilfe für Flüchtlinge. Dieser „hochmoderne Verein“, in dem Geisel übrigens selbst ein Stück rheinische Heimat gefunden hat, sei ein „starkes Stück Düsseldorf“.

Der OB verließ das Rathaus mit Unterstützung. Zwei Vorstandsmitglieder schleppten eine große Tafel zum Dienstauto. Auf dieser Tafel stehen die Namen und Daten aller Bürgermeister, die es in Düsseldorf je gegeben hat. Sozusagen ein Geschichtsbuch in Kurzfassung. Die Aufzählung endet mit dem Namen Geisel. Der Beginn seiner Amtszeit ist schon eingetragen, das Ende offen. (ls)

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