Ist ein Männerbund noch zeitgemäß?Anna Lewy Jeden Dienstag ist Jonges-Tag. Dann trifft Mann sich im Kolpinghaus. Knapp 2700 Mitglieder von 17 bis an die 100 Jahre. Und jedes Jahr kommen rund 30 Neue dazu. Die größte lokale Männer-Gesellschaft. Viele meinen: An den Jonges kommt man nicht vorbei. Was oft auch die Politik zu spüren bekommt. Denn wann immer sich planerisch Großes in der Stadt tut - die Jonges erheben ihre Stimme. Das ist seit 75 Jahren so. Anlässlich des Jubiläums am 16. März sprach die Düsseldorfer Journalistin Anna Lewy mit Baas Gerd Welchering. Hier ihr Interview, das am 3. März 2007 in der NRZ veröffentlicht wurde.
75 Jahre - und noch immer nicht weise? Der Heimatverein weigert sich nach wie vor, Frauen aufzunehmen. Was ist so schrecklich an weiblicher Unterstützung? Ob das was mit Weisheit zu tun hat - ich weiß nicht. Aber ich sehe auch keine Vorteile, wenn Frauen dabei sind. Männer sind untereinander ehrlicher - sind Frauen dabei, entsteht Balzgehabe. Außerdem: Die Frauen sind ja dabei, das Meinungsbild der Männer entsteht in den Familien. Ohne Frauen also auch in den nächsten 75 Jahren? Ja. Vielleicht auch länger. Ist so ein Männerbund noch zeitgemäß? Mehr denn je. Solche Vereinigungen sind die ideale Plattform dafür, die Gesellschaft zu fördern und zu fordern. Wäre das Brauchtum nicht, würde die Gesellschaft kollabieren. Wir fördern Kunst, Soziales, sind stark in der Stadtgestaltung, verleihen den Wissenschafts-, den Architekten- und den Künstlerpreis. Was wir tun, ist sichtbar für die Bürger. Kurzer Blick zurück: Was trieb die Männer 1932 dazu, in dem Jahr, in dem sich Hitlers Machtanspruch manifestierte und, in dem er zum ersten Mal im Industrieclub auftrat, Jonges zu werden? Es waren Kaufleute, Unternehmer, die etwas für die Stadtentwicklung tun wollten - parteipolitisch neutral und konfessionell unabhängig. Das war so und das bleibt so - das sind unsere wichtigsten Grundsätze. Wir wollen noch heute agieren und nicht reagieren. Jeder, der auf sich hält, ist Mitglied. Oberbürgermeister, Wirtschaftsbosse, Vorstandsvorsitzende, Politiker, Ministerpräsidenten. Die Kölner haben ihren Klüngel und wir das Elite-Netzwerk der Jonges? Elite ist mir zu abgehoben - und Klüngel? Nein. Wir sind der Kern der Gesellschaft. Das Phänomen ist ja, es gibt bundesweit keinen gleichwertigen Verein, in dem sich jeden Dienstag bis zu 400 Mitglieder treffen. Kann jeder Düsseldorfer ein Jong werden? Natürlich. Er muss nur das Herz am richtigen Fleck haben und sich für Düsseldorf engagieren. Dafür muss man aber nicht aus Düsseldorf kommen. Bei uns gibt es alle, vom Anstreicher bis zum Chefarzt. Aber jede Stimme hat das gleiche Gewicht. Was hat Mann davon, ein Jong zu sein, bessere Geschäftsbeziehungen? Warum nicht? Wir haben 45 Tischgemeinschaften mit zehn bis 180 Mitgliedern, die ihr Eigenleben führen - die sind das Rückgrat des Vereins. Da trifft man sich mit Gleichgesinnten. Und natürlich lassen sich Geschäftsbeziehungen knüpfen. Das verdichten auch manche Tischgemeinschaften. Eine heißt zum Beispiel "Wirtschaft". Schön und gut - was bringt das dem Verein? Wir profitieren von unseren Mitgliedern. Wir haben Architekten, Ingenieure, Dezernenten, den OB. Mit den Entscheidungsträgern können wir viele Dinge auf kurzem Dienstweg klären. Zum Beispiel im letzten Jahr. Da wurde das Ratinger Tor saniert. Da wurde von einem Mitglied das Gerüst kostenlos aufgestellt, wir bekamen die Farbe. Die guten Handwerker kommen aus den eigenen Reihen zum Nulltarif. Wenn wir Fragen haben, können wir eben mal anrufen - selbst beim Ministerpräsidenten. Das hat mit Klüngel nichts zu tun. Es läuft ja nichts am Bürger vorbei, wir arbeiten offen. Die Jonges spenden für soziale Zwecke, sie setzen Blickpunkte wie den Maxbrunnen in der Altstadt. Was waren die wichtigsten Taten, von denen alle Düsseldorfer profitierten? Das Stadterhebungsmonument in der Altstadt haben wir gespendet, den Radschlägerbrunnen auf dem Burgplatz. Ach, so vieles. Unsere jüngste Spende: die vier Köpfe an der Tonhalle von Clara und Robert Schumann, Mendelssohn-Bartholdy und Burgmüller. Und wir pflegen das auch alles. In den letzten zehn Jahren haben wir rund eine Million Euro für Soziales, Kultur und Wissenschaft gespendet. Und vielleicht verleihen wir dem nächst auch noch einen Musikpreis. Die Jonges mischen sich überall ein, sie mischen mit, wenn es beispielsweise um den Kö-Bogen geht. Wie steht es mit dem Gewicht der Stimme, wird sie von den Stadtregenten erhört oder als Vereinsgemeckere abgetan? Es gibt kein Projekt, wo wir nicht etwas bewegt haben. Es gibt nichts, wo wir so richtig abgeschmettert wurden. Wenn jetzt zum Beispiel gesagt wird, beim Kö-Bogen sei die große Lösung nicht möglich, weil das Geld dafür fehle, akzeptieren wir das nicht. Das muss sein. Das ist neben der Rheinuferpromenade das zweite Jahrhundertprojekt und Düsseldorf ist finanziell so gut aufgestellt, das kann sich die Stadt erlauben. Und das wird die Stadt dann auch einsehen? Wir sind nur überzeugt, wenn Gutachter sagen, das geht technisch nicht. Wo haben Sie sichtbar auf die Veränderung der Stadt Einfluss genommen? Bei der Gestaltung des Hofgartens, den gäbe es ohne uns so nicht. Bei der Erhaltung des Stände- und des Horionhauses. Wir waren an der Entwicklung der Kö beteiligt und haben dafür gesorgt, dass das Hochhaus am Graf-Adolf-Platz, GAP 15, nicht so hoch wurde, wie geplant. Zu Geburtstagen zeigen sich die Jonges oft großzügig. Was schenken Sie diesmal? Wir haben vorgegriffen, 20000 Euro für den Sanitärcontainer bei den Franziskaner-Mönchen gespendet, haben die zweite Originalhandschrift von Heine für das Heine-Institut gekauft und fürs Stadtmuseum ein Frühzeitwerk von Bruno Goller für 30000 Euro. Nun wollen wir noch eine Sonnenuhr aufstellen. Über den Maxbrunnen an der Poststraße entzweiten sich die Gemüter. Wird die aktuelle Gabe wieder die Kritiker beflügeln? Das ist so etwas mit der Kritik - da sind die Leute oft einfach nicht umfassend informiert. Wie wir das mit der Sonnenuhr machen, steht noch nicht endgültig fest. Doch wir werden eine Lösung finden, bei der sich niemand querstellt. Blick in die Zukunft: Wie müssen die Jonges in zehn Jahren aufgestellt sein, wird's sie in 75 Jahren noch geben? Ja. Und es kann bleiben, genauso wie jetzt. Die Jonges sind das Paket, das die Bürger brauchen, um sich wohl zu fühlen.
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Termine & Veranstaltungen
Jeweils Dienstag, 20.00 Uhr, im Henkel-Saal, Ratinger Str. 25
07 FEB HIV und AIDS – Zur Lage in Deutschland und Düsseldorf Referent: Peter von der Forst 14 FEB „Bauzeit ist Geld“ - Erkenntnis ohne Folgen? Referent: Michael C. Eichner, Vorstand MCE – Consult AG 21 FEB Keine Veranstaltung ! 28 FEB \"jonges-Couch\" mit René le Riche als Gast: Horst Eckert, Krimi – Autor aus Düsseldorf Achse e.V (Allianz chronisch Seltener Erkrankungen)
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