Von Anfang an ging es um DüsseldorfHans-Joachim Neisser Jede Gesellschaft setzt sich immer wieder neue Ziele. Und wenn man da gar einen Zeitraum von 75 Jahren mit all seinen Umbrüchen überblickt, dann gab es so manche Änderung im Selbstverständnis, in der Aufgabenstellung und in den Zielen. Die Jonges, 1932 gegründet, sind Teil dieser Gesellschaft. Gab es viele Wendungen? Hat das Konzept, das die Gründer entwickelt hatten, getragen? An der Satzung lässt sich da manches ablesen. Sie beschreibt den Vereinszweck. Die Veränderungen, die eine Satzung über die Zeit erfährt, zeigen, wie ein Verein sich den gesellschaftlichen Prozessen stellt. Die Gründerväter des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges e.V. hatten damals, im März 1932, sehr genaue Vorstellungen. Dem Verein wurde "die Pflege und Förderung der heimischen Mundart und Geschichte, der hergebrachten Gebräuche, sowie der heimatlichen Belange, insbesondere der Erhaltung charakteristischer Bauten, Anlagen usw." aufgegeben. Jeden ersten Dienstag im Monat war Monatsversammlung im Vereinsheim Bauerei Schlösser, Altestadt 11/13. Bei der Gründung am 16. März 1932 hatte der Verein 45 Mitglieder gezählt. Das 100. Mitglied konnte schon zum 1. April 1932 begrüßt werden, das 1ooo. dann am 1. Dezember 1936. Die neuen Verhältnisse forderten manche Anpassung. Insgesamt jedoch kamen die Düsseldorfer Jonges während der NS-Zeit weitgehend um die Gleichschaltung herum, wie eine eingehende Untersuchung dieses Zeitabschnittes anlässlich des 50-jährigen Jubiläums ergab (Autor Dr. Hugo Weidenhaupt, veröffentlicht in der Festschrift 1982). Mit Kriegsausbruch nahmen die großen Veranstaltungen ab. Auch die Vereinszeitschrift, die seit April 1932 monatlich erschienen war, musste 1942 auf vierteljährliches Erscheinen umstellen und 1943 ihr Erscheinen ganz einstellen. Am 12. September 1943 wurde das Vereinsheim zerbombt. Die Vereinsarbeit erlosch. Schon am 28. April 1945 (Düsseldorf war am 17. April besetzt worden) gab es einen neuen Anlauf. Im "Schwarzen Anker", Bolkerstraße 35 (heute Gaststätte "Oberbayern"), trafen sich acht Vereinsmitglieder, um über einen Neuanfang nachzudenken. Und nachdem das Versammlungsverbot aufgehoben worden war, beschlossen 140 Jonges am 18. September 1945 im "Schwarzen Anker", die Vereinsarbeit wieder aufzunehmen. 1947 meldete der Verein bereits 1500 Mitglieder, 1949 dann 2000. Der Verein entwickelte sich gut. 1951 wurde die Satzung geändert. "Pflege und Schutz der Stadt und der Heimatlandschaft" wurden als neue Aufgaben verankert. Der "Schwarze Anker" erwies sich bald für die regelmäßigen Treffen als zu klein - der Verein ging nun auf die 2500-Mitglieder-Marke zu und wechselte im September 1953 in den "Goldenen Ring". Auch dies nur ein Übergangsquartier. Denn am 8. Januar 1957 kehrte er dorthin zurück, wo alles begonnen hat: zu Schlösser in die Aldestadt. Der Brauerei-Ausschank war wiederaufgebaut worden. Das allgemeine Bewusstsein für die öffentlichen Dinge wuchs, ein erweitertes Verständnis für Heimat griff um sich. Die Jonges reagierten. 1958 wurde die Unterstützung der Bestrebungen des Naturschutzes als weitere Aufgabe in die Satzung aufgenommen, 1981 wurden dann Umweltschutz und Weltoffenheit in der Satzung verankert. Die letzte Ausweitung der Aufgabenstellung fand mit einer Satzungsänderung 1986 statt. Da wurde das "Tätigwerden im sozialen Bereich" als neue Aufgabe aufgenommen. Und noch im gleichen Jahre wurden als erste Spende 50 Kühlschränke für ein Übergangswohnheim überreicht. Solche Aktivitäten spielen inzwischen bei den Jonges eine große Rolle. Starke Beachtung finden herausragende Schenkungen wie der Spielplatz für das Kinderhospiz Regenbogenland oder die Sanitärcontainer für die Armenhilfe der Franziskaner an der Immermannstraße. Ein Überblick über diese Aktivitäten fehlt bisher. Gerd Welchering bietet mit seinem Beitrag in diesem Almanach erstmals einen solchen. Im Rückblick wird deutlich, dass sich die Gewichte an mancher Stelle verlagert haben. Jahrzehntelang stand das im Vordergrund, was der Pflege der heimatlichen Geschichte diente. "Sichtbare Zeichen" im Stadtbild sollten dem Interessierten Zusammenhänge verdeutlichen. Schon im Gründungsjahr wurden fünf solche Zeichen gesetzt. Sie verdeutlichen auch die Bandbreite der Arbeit des Vereins: Erinnerungstafel an Goethes Besuch in Düsseldorf (Burgplatz 12); ein Relief, das an den Durchbruch der Bolkerstraße zur Alleestraße erinnert (Bolkerstraße 16); eine Grabtafel für Pastor Jääsch (Golzheimer Friedhof); die Plastiken Gießerjunge (Marktplatz) und Grabbe-Büste (im Jonges-Haus, Mertensgasse 1). Heute sind solche "Sichtbaren Zeichen" im Stadtbild unübersehbar. Von der Kaiserswerther Hochwasser-Schutzmauer am Stiftsplatz im Norden bis zu Schloss Benrath im Süden, von der Düsselquelle im Osten weit vor der Stadt bis zur alten Fährstelle in Hamm als dem wohl am weitesten westlich gelegenen Platz sind sie zu finden. Zum 60-jährigen Jubiläum hat Eugen Wesselmann eine Übersicht veröffentlicht (Festschrift 1992). Ein komplettes Verzeichnis legte dann die Tischgemeinschaft "De Hechte" im Jahre 2000 vor. Ihre Publikation "Sichtbare Zeichen" nennt bis zum Jahre 1997 insgesamt 57 Objekte - Gedenktafeln, Erinnerungsmale, Denkmäler, Brunnen. Einiges ist seitdem noch dazugekommen. Darüber berichtet Rolf Töpfer an anderer Stelle dieses Almanachs. Schon in den sechziger Jahren richteten die Jonges ihr Interesse auch auf die entstehende Universität. Auftakt ist sicher 1968 die Enthüllung einer Gedenktafel "Im Goldenen Ring", jenem Ort, an dem im Frühjahr 1919 aus dem Krieg heimgekehrte junge Düsseldorfer eine Denkschrift fertigten, die ein wesentlicher Beitrag zum Werden der Medizinischen Akademie darstellt, aus der ja die Heinrich-Heine-Universität hervorgegangen ist. Der Entwicklung des Hochschulwesens in der Stadt widmeten die Jonges seitdem wachsende Aufmerksamkeit. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Verbindungen zu Universität und Hochschulen. Eine regelrechte Zusammenarbeit ist entstanden, Wettbewerbe werden ausgelobt und Preise ausgesetzt. Hagen D. Schulte berichtet darüber. Die großen Zielsetzungen der Gründer gelten, unabhängig von den Zeitläufen, weiter. Die rund 50 Heimatabende - sie bilden noch immer den Mittelpunkt des Vereinsgeschehens - widmen sich nach wie vor Heimat und Brauchtum, Geschichte und Denkmalpflege, Mundart und Kultur, zeugen von Weltoffenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Entwicklungen. Werner Schwerter beleuchtet in seinem Beitrag ein ganz normales Jahr mit seinen vielen Höhepunkten. Für den Zusammenhalt eines so großen Vereins sind die Tischgemeinschaften das wesentliche Element. Eine Besonderheit der Jonges, die von Anfang an gepflegt wurde. Schon 1932 gründete sich die erste Tischgemeinschaft, 1950 die zehnte, 1971 die 30. und seit 2005 zählen die Jonges 48 Tischgemeinschaften. Sie haben sich als ideales Verbindungsglied zwischen Verein und einzelnem Mitglied erwiesen. Dem wurde 1981 durch Änderung der Satzung Rechnung getragen. Die Monatsversammlung, die die Gründer als ein Organ des Vereins verstanden hatten, wurde aufgegeben. An ihre Stelle trat die Versammlung der Tischbaase, die viermal im Jahr einzuberufen ist. Hier berichtet der Vorstand von seiner Arbeit und über seine Vorhaben. Franz-Josef Siepenkothen beleuchtet die Rolle der Tischgemeinschaften in seinem Beitrag in diesem Almanach. Drei Jahrzehnte lang war der Brauerei-Ausschank in der Aldestadt wieder Standquartier der Jonges. Er war wieder der räumliche Mittelpunkt des Vereins. Er bot Raum für die Heimatabende, für Archiv und Geschäftsstelle. Doch 1988 kamen andere Pläne auf und die Jonges mussten ausziehen. Für sie bedeutete dies die Vertreibung aus der Altstadt. Es gab Zwischenlösungen. Heimatabende zunächst im Theatersaal der Provinzial an der Friedrichstraße und eine Geschäftsstelle in der Liesegangstraße zur Miete. Umstände, mit denen sich die Jonges niemals abgefunden haben. 1991 rückte dann die Altstadt wieder etwas näher. In der Karlstadt bot sich mit dem Kolpingsaal an der Bilker Straße eine neue Bleibe. Der Traum von der Rückkehr ins Herz der Altstadt aber wurde weitergeträumt. Als sich 1997 die Gelegenheit bot, das Haus Mertensgasse 1 zu erwerben, ein Haus, das gar noch dank der Rolle, die es im Leben des Heinrich Heine gespielt hat, von stadthistorischer Bedeutung ist, griffen die Jonges zu, kauften und sanierten es. Geschäftsstelle, Archiv und Besprechungsräume wurden geschaffen, der Heimatverein hat seitdem wieder ein Standbein in der Altstadt. Als dann vor fünf Jahren Überlegungen bekannt wurden, das Kolpinghaus aufzugeben, begannen die Erörterungen aufs Neue. Sie reiften schließlich zum Projekt "Bürgersaal" heran, der im Jubiläumsjahr nun Gestalt annimmt. Rolf Töpfer berichtet darüber. Zu guter Letzt muss auch einmal vom Geld gesprochen werden. Der Jahresbeitrag bei den Jonges hält sich mit 42 Euro in Grenzen. Die mehr als 2600 Mitglieder schaffen damit den Grundstock für alle Aktivitäten des Vereins. Diese Aktivitäten sind in der Satzung festgeschrieben und für den Vorstand gilt es, sie zu fördern.Zu diesem Verständnis gehört auch, dass die für die Verwaltung des Vereins anfallenden Kosten so gering als möglich gehalten werden. Ohne Verwaltung geht es nicht - erst recht nicht beim nun einmal größten Heimatverein weit und breit. Aber ohne die Unterstützung durch Düsseldorfer Firmen und durch Bürger der Stadt könnten die Jonges trotz aller Sparsamkeit all ihre Aktivitäten nicht durchhalten. Diese zuverlässigen Helfer verdienen den Dank der Jonges. Es ist oft eine Unterstützung, die nicht an die große Glocke gehängt werden kann. So verbietet es sich auch, hier Namen zu nennen. Die einen zu nennen würde ja bedeuten, andere zu verschweigen. Deshalb ganz generell auch hier im Almanach ein Danke an alle Spender, Helfer und Unterstützer. Sie alle tragen dazu bei, dass der Heimatverein Düsseldorfer Jonges über die Jahrzehnte hinweg ganz im Sinne seiner Gründer erfolgreich für die Heimatstadt Düsseldorf wirken konnte und kann. Er war und ist ein Zusammenschluss Düsseldorfer Bürger zur Heimat- und Kulturpflege. Und er verfolgt, um noch einmal die Satzung zu zitieren, ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke. Dass die Jonges da eine offene Hand haben, hat sich längst herumgesprochen. Mancher klopft an. Und so manchem wird geholfen. So soll und wird es auch künftig sein. Immer in der Absicht, dem Ansehen und dem Wohl der Vaterstadt zu dienen. Und da hat sich über die Jahrzehnte als sehr hilfreich erwiesen, dass der Verein parteipolitisch und konfessionell neutral ist. Das gemeinsame Programm besteht auch künftig einfach und klar aus einem Wort: "Düsseldorf". Die Idee der Gründer hat sich bewährt.
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Termine & Veranstaltungen
Jeweils Dienstag, 20.00 Uhr, im Henkel-Saal, Ratinger Str. 25
22 MAI Anton Betz, ein Verleger zwischen Weimar und Bonn Referent: Dr. Peter Henkel, Historiker 29 MAI Fukushima, ein Jahr danach – Was wissen wir heute? Referent: Dipl. Volkswirt Jürgen Rehmann 05 JUN 40 Jahre Tischgemeinschaft Willi Weidenhaupt
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