Marmorkopf Carl Theodor

Was noch heute und, wie man hoffen möchte, für alle Zukunft dem Düsseldorfer lieb und für den Fremden sehenswert ist, die köstlichen Bauten von Schloss Jägerhof und dem Benrather Schloss, der Hofgarten und nicht zuletzt die in jüngster Zeit wieder zu einer Zierde gewordene Karlstadt, verdankt die Stadt Düsseldorf dem von 1742 bis 1799 regierenden Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz. Sichtbaren Dank haben die Düsseldorfer jedoch bis noch Mitte des 20. Jahrhunderts nicht ihm, sondern schon 1711 dem von 1679 bis 1716 regierenden Vorgänger Kurfürst Johann Wilhelm II. von der Pfalz gestiftet: das von Gabriel Grupello geschaffene, auf dem Marktplatz stehende Barock-Reiterstandbild des von ihnen liebevoll Jan Wellem genannten Herrschers. Kein Denkmal, kein sonstiges sichtbares Zeichen der Erinnerung an Carl Theodor als den wichtigen Gestalter der Stadt,das hat die Düsseldorfer Jonges nicht ruhen lassen. 1957 hat der Heimatverein von dem Bildhauer Professor Hans van Breek eine weißmarmorne Büste in Überlebensgröße von Carl Theodor schaffen lassen. Sie wurde anlässlich des Silberjubiläums des Heimatvereins am 12. März 1957 von Dr. Paul Kauhausen an den damaligen Oberbürgermeister Georg Glock übergeben. Auf der Marmorstele steht unterhalb der Büste folgende Inschrift zu lesen: Carl Theodor 1724 - 1799.
Ursprünglich war die Büste zur Aufstellung im Lesesaal der Düsseldorfer Landes- und Stadtbibliothek am Grabbeplatz bestimmt, jene berühmte Stätte, die der Kurfürst in Düsseldorf stiftete, die nach dem letzten Krieg jedoch nicht wieder aufgebaut worden ist und der Neugestaltung des Grabbeplatzes zum Opfer fiel. Von Oberbürgermeister Glock stammte damals der Vorschlag, die Büste im Schloss Benrath aufzustellen, mit der Begründung, dass die Entstehung des Schlosses dem Kurfürsten zu verdanken wäre. Dort fand sie in der Tat auch erstmals Platz. Leider wurden im November des Jahres 1960 die Stele und die Büste mutwillig zerstört. Die Anlage musste vollständig renoviert werden und wurde am 26. Juni 1961 im Schlosspark hinter dem Eingang zum Englischen Garten wieder aufgestellt. Schließlich folgte die Versetzung ins Innere des Schlosses am 10. März 1967, wo sie heute noch zu besichtigen ist.
Jan Wellem (1679-1716) und Carl Theodor (1742-1799), dazwischen Carl Philipp (1716-1742), alle drei Kurfürsten von der Pfalz: Ein kurzer historischer Rückblick mag erklären, warum Pfälzer Fürsten in Düsseldorf wichtige Geschichte geschrieben haben. Das Düsseldorfer Gebiet gehörte um 1100 zum Herrschaftsbereich der Grafen von Berg. Graf Adolf V. von Berg erhob 1288 das Dorf an der Düssel zur Stadt. Als der Bergische Stamm 1348 ausstarb, folgte durch Erbschaft in der Regentschaft das Haus Jülich und 1511 das Haus Cleve. 1417 wurde die am Niederrhein bedeutende Grafschaft Kleve (Cleve) zum Herzogtum erhoben, 1511 in Personalunion mit Jülich-Berg-Ravensberg verbunden und im Jülich-Kleveschen Erbfolgestreit 1614 mit Brandenburg vereinigt. Dieser Streit war eine Auseinandersetzung zwischen Sachsen, Brandenburg, Pfalz-Neuburg und Pfalz-Zweibrücken um das Erbe des letzten Herzogs aus dem Hause Kleve. Religiöse Verflechtungen ließen die Auseinandersetzung zu einem internationalen Politikum werden. In dem durch Vermittlung Frankreichs und Englands zustande gekommenen Vertrag von Xanten (1614) erhielt Brandenburg Kleve, Mark und Ravensberg, Pfalz-Neuburg erhielt Jülich und Berg. 1666 wurde diese Lösung im Vertrag von Kleve bestätigt.
Mit dem Tode Karl Philipps erlosch 1742 die Linie Pfalz-Neuburg. Die Kurwürde und alle Besitzungen fielen an die Linie Pfalz-Sulzbach. Der Wittelsbacher Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach trat die Nachfolge in Jülich und Berg an. Obwohl er sich lediglich für kurze Male - Historiker sprechen von vier Aufenthalten, und zwar zwischen 1746/47, 1755, 1758 und 1767 - in Düsseldorf aufhielt, konnte er für diese Stadt viel bewegen.
Ansonsten wählte er, sehr zum Bedauern der Düsseldorfer, Mannheim und München zu seinen Residenzstätten, während ihn in der rheinischen Residenzstadt sein hervorragender Statthalter Graf Ludwig Franz von Golstein musterhaft vertrat und unterstützte. Dieser ließ beispielsweise 1755 den Maler Lambert Krahe aus Rom als Galerieinspektor in seine Heimatstadt zurück holen. Damit nahm er schon erheblichen Einfluss auf die Entwicklung Düsseldorfs als Metropole der Kunst.
Die von Krahe gegründete Zeichenschule erhielt 1773 den Status einer kurfürstlichen Maler-, Bildhauer- und Baukunstakademie. Unter der Herrschaft Carl Theodors fallen, wie schon erwähnt, der Bau des Schlosses Benrath, die Anlegung des Hofgarten-Parks und weitere städtebauliche Maßnahmen wie die Erweiterung der südlichen Stadt zur nach ihm benannten Karlstadt. 1781 ließ er das Schloss und alle öffentlichen Gebäude Düsseldorfs mit der damals noch neuen Erfindung des Blitzableiters versehen.
Der Erschaffer der Büste, Professor Hans van Breek, wurde am 5. November 1906 als Hans Breker in Elberfeld geboren. Vermutlich wählte er das Pseudonym van Breek, um sich von den Arbeiten seines berühmten Bruders, Arno Breker (1900-1991), zu distanzieren, der in Hitler-Deutschland große Erfolge hatte. Hans Breker studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie zwischen 1928 und 1932. Hier war er Meisterschüler bei Professor Lange. Er ist der erste Träger des Cornelius-Preises der Stadt Düsseldorf, den er 1936 erhielt. 1942 war er erster Preisträger der Villa Romana in Florenz, wo er etwa ein Jahr lebte. Weitere Werke Brekers sind der "Düsseldorfer Löwe" auf einer Säule vor dem Rathaus, Mahnmale für Kriegsopfer in Wuppertal, Monheim und Karlstadt sowie Brunnen in Monheim und Duisburg. Breker starb am 15. November 1993 in Düsseldorf.

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