Gedenkstätte Louise Dumont

Louise Dumont zählt zu den großen Theaterleiterinnen und Schauspielerinnen der europäischen Theatergeschichte. In Erinnerung an die große Tragödin haben die Düsseldorfer Jonges 1954 ein Denkmal gestiftet, das eine Büste der Künstlerin von Ernesto de Fiori integriert und vom Stadtbaurat Hans Maes für die Louise-Dumont-Straße entworfen wurde (siehe auch: Büsten Louise Dumont und Gustav Lindemann ). Heute steht es im Hofgarten nahe dem Theatermuseum.
Die Stadt Düsseldorf hat Louise Dumont viel zu verdanken; weit mehr noch als die unvergesslichen Theaterabende, in denen die Dumont als Hauptdarstellerin brillierte. Die durchsetzungsfähige Theatermacherin gründete 1905 gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Gustav Lindemann das Düsseldorfer Schauspielhaus und führte es in ihrer fast dreißigjährigen Leitungstätigkeit zu außergewöhnlichen künstlerischen Erfolgen.
Louise Dumont war keine erotisierende Diva, auch keine Grande Dame, der alle zu Füßen gelegen hätten, eher eine zupackende Theater-Arbeiterin, die sich mit außergewöhnlichem Fleiß und einer fast besessenen Liebe zum Theater auf den täglichen Proben immer wieder zu Höchstleistungen aufschwang.
Schon in ihrer Kindheit und Jugend wurde der 1862 in Köln geborenen Dumont viel abverlangt. Früh hatte sie zum Lebensunterhalt ihrer Eltern und ihrer elf Geschwister beizutragen, indem sie neben der Schule den Haushalt einer Wöchnerin mit fünf Kindern versorgte. Bevor sie zum Theater kam, machte sie eine Näherinnen-Lehre und arbeitete sie in Köln in einem Handarbeitsgeschäft, wodurch sie sich früh vom Elternhaus unabhängig machte. Gegen den Willen der Eltern entschied sie sich mit 20 Jahren für den Beruf der Schauspielerin. Mutig und mit großem Vertrauen in ihr eigenes Talent brach sie nach Berlin auf, um Schauspielunterricht zu nehmen.
Im kommerzialisierten Berliner Theaterleben des ausgehenden 19. Jahrhunderts gab es für Nachwuchskräfte eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder setzten sie sich durch und wurden Stars, oder sie mussten sich für Hungerlöhne und mit ständig wechselnden Engagements in Nebenrollen verdingen. Dumont schaffte ersteres und wurde 1898 von dem berühmten Intendanten Otto Brahm ans Deutsche Theater Berlin verpflichtet.
Brahm war Vorkämpfer des neuen, psychologisch-realistischen Schauspielstils, den auch Louise Dumont bald mit hoher Perfektion beherrschte. Sie ließ die übergroßen, pathetischen Gesten weg und bemühte sich um eine sparsame, präzise Darstellung seelischer Vorgänge - eine Spielweise, die sich weithin durchgesetzt hat, damals aber rundum neu und zukunftsweisend war. Besonders glänzte sie in den abgründigen Frauenrollen der Ibsenschen Dramatik. Louise Dumont blieb Zeit ihres Lebens aufgeschlossen für neue Entwicklungen der Theaterästhetik. So gründete sie 1901 gemeinsam mit Max Reinhardt in Berlin das Kabarett "Schall und Rauch", das zum Ausgangspunkt aller Reinhardtschen Avantgardeprojekte wurde. Aus ihrer Sicht jedoch führte das "Theater der Regisseure", das sich hier ankündigte, zu weit weg von der dramatischen Dichtung, die sie weiterhin im Mittelpunkt des ernsthaften Sprechtheaters wissen wollte.
"Das Theater muss wieder Kultstätte werden, der Beruf des Schauspielers wieder ein priesterlicher", so lautete ihr Credo.
In ihrem Eintreten für ein "Literarisches Theater" war sie sich mit Gustav Lindemann einig, dessen Tourneetheater sie sich 1903 anschloss. Gemeinsam mit Lindemann, den sie 1907 heiratete, leitete Dumont von 1905 bis zu ihrem Tod 1932 das Düsseldorfer Schauspielhaus. In dem Gespann Dumont-Lindemann war sie eindeutig der kreative Kopf, während sich Lindemann vor allem in der Auseinandersetzung mit Geldgebern und Stadtverwaltung aufrieb.
Dumont war stets gleichzeitig auf drei bis vier Gebieten tätig: Weiterhin spielte sie tragende Rollen, so etwa 1915 die Mutter Aase in Ibsens "Peer Gynt". Daneben traten seit dem Ersten Weltkrieg - in dem sie bei der Theaterleitung auf sich allein gestellt war, nachdem sich Lindemann freiwillig an die Front gemeldet hatte - mehr und mehr auch Regiearbeiten. Aktiv begleitete sie auch die Arbeit der "Hochschule für Bühnenkunst", die dem Düsseldorfer Schauspielhaus angegliedert war und aus der ein weiterer Düsseldorfer Theaterdirektor, Gustav Gründgens, absolviert hat. Gegen Ende der 20er Jahre begann Louise Dumont, regelmäßig literatur- und schauspieltheoretische Aufsätze in der Zeitschrift "Masken" zu publizieren, die ebenfalls einer der vielen Ableger des Dumont-Lindemann-Unternehmens war. Ihre unstillbare Neugier und Entdeckungsfreude spiegelte sich in der außergewöhnlichen Weltoffenheit des damaligen Düsseldorfer Spielplans: Gespielt wurden die modernen skandinavischen Autoren, besonders natürlich Ibsen und Strindberg, die damals noch durchaus nicht durchgesetzten Russen Gogol, Gorki und Tolstoi, und sogar indische Klassiker von Kalidasa oder Tagore.
Nicht zu vergessen ist auch, dass selbst im bohemiösen Theatermilieu seinerzeit recht bürgerlich-patriarchalische Geschlechterverhältnissen herrschten. So war es selbstverständlich, dass sich Louise Dumont neben ihrem vielfältigen Engagement im Theater auch noch um den Haushalt des Ehepaares zu kümmern hatte. Im gemeinsamen Haus in Urdenbach führte sie das Regiment und fand sogar die Zeit, sich darüber hinaus noch für wohltätige Zwecke zu engagieren. Bei alle dem scheint sie auf ihre Umwelt stets resolut und robust gewirkt zu haben. Vor allem aber ihrem Ehemann offenbarte sich auch eine andere Louise Dumont, wahrhaftig keine rheinische Frohnatur, sondern eine nachdenkliche, zweifelnde, nicht selten depressive Persönlichkeit, die vor allem in ihren zahlreichen Briefen zu entdecken ist: "Ich habe immer Angst vor der Tragweite meines Empfindungslebens gehabt (....)" schrieb sie einmal an Lindemann.
Die Düsseldorfer jedenfalls hat die temperamentvolle Theaterfrau mit der Tragweite ihres Empfindungslebens in hohem Maße beschenkt. Louise Dumont war im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, lange vor der Ära von Gründgens und Stroux, der größte Stern am Düsseldorfer Theaterhimmel. Sie begründete gemeinsam mit Lindemann eine Tradition ambitionierten Theaters von großer Tiefenschärfe und hoher handwerklicher Professionalität, von der die Stadt bis heute profitiert.

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