Wer heute aus den östlichen Stadtteilen über die Schadowstraße kommend und die Heinrich-Heine-Allee querend in die Altstadt und/oder zum Rhein möchte, dem öffnen sich wie selbstverständliche Ost-West-Achsen die
Bolker- und die Flingerstraße.
Dies war nicht immer so: In der alten Stadt mit ihren Befestigungsanlagen endete die Bolkerstraße an der Hunsrückenstraße; hinter der Hunsrückenstraße und ebenfalls parallel zur Stadtmauer lag dann noch die
Neustraße. Tore nach draußen waren das Ratinger Tor im Nordosten und das südlich gelegene Flinger Tor. Diese nach Osten hin abgeschottete Situation änderte sich auch nicht, als 1801 mit dem Frieden von Luneville die Stadt "entfestigt" wurde und im Verlauf der östlichen Stadtmauer die Alleestraße, die heutige Heinrich-Heine-Allee, entstand. Erst 1931 verwirklichten die Stadtplaner den städtebaulich bedeutsamen Eingriff, nämlich den Durchbruch der abgeriegelten Bolkerstraße und den damit verbundenen Wegfall der alten Communicationsstraße zur Öffnung nach Osten hin zu den neu gewachsenen Stadtteilen. Die Bolkerstraße in der Altstadt wurde 1384 angelegt und ist nach einer Familie gleichen Namens benannt. In der Bolkerstraße 53 steht das Geburtshaus des großen deutschen Dichters Heinrich Heine. Seit dem Jahr 1870 wurde in Düsseldorf von drei Durchbruchsprojekten
gesprochen: die Durchführung der Kasernenstraße zur Flingerstraße und dann die Durchbrüche der Flinger- und der Bolkerstraße zur Alleestraße hin. Sinn und Zweck dieser Durchbrüche war es, die Altstadt zu beleben, denn die Häuserreihen, die die Durchführungen der drei Straßen verhinderten, wirkten wie Barrieren, die ein verkehrsreiches und somit geschäftliches Leben verhinderten. Die Diskussion um den Durchbruch Bolkerstraße zog sich über sechs Jahrzehnte hin. Man sah eine Reihe verzwickter juristischer Probleme vor sich. Bald taten sich die Altstädter Bürgerschaften und Geschäftsleute zu einer Interessengemeinschaft zusammen, um eine möglichst schnelle Realisierung dieses Vorhabens zu erreichen. Es ist das Verdienst dieser Interessengemeinschaft, unter dem Vorsitz des Altstadtbäckers Willi Weidenhaupt, dem ersten Baas des 1932 gegründeten Heimatvereins Düsseldorfer Jonges, und der Düsseldorfer Presse, dass 1931 endlich mit dem Durchbruch begonnen und die Öffnung der Bolkerstraße zur Alleestraße etwa vier Jahre später vollendet wurde.




