Kopfplastik Heinrich Heine

Zum Wiederaufbau des im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörten Alten Rathauses am Marktplatz überreichten die Düsseldorfer Jonges am 20. Dezember 1960 dem damaligen Oberbürgermeister Willi Becker eine Bronzebüste von Heinrich Heine, ein Werk des Bildhauers Kurt Zimmermann †. Sie fand Aufstellung im ersten Obergeschoss des wiederhergestellten historischen Gebäudes.
Lange Jahre hat Düsseldorf gebraucht, bis der am 13. Dezember in der Altstadt auf der Bolkerstraße 53 geborene große Dichtersohn in seiner Vaterstadt den ihm gebührenden Platz einnehmen konnte. Erst in jüngster Zeit habe die Stadt, so Josph A. Kruse, Leiter des Heinrich-Heine-Instituts, in seinem Vorwort zu der 2. Auflage 1998 der von ihm herausgegebenen Schrift "Heine und Düsseldorf", ihr Verhältnis zum Dichter in auffälliger Weise zu verbessern gesucht und seinen 200. Geburtstag (1997) nachhaltig und mit großem Einsatz gefeiert 1) (siehe auch: Erinnerungstafel Heinrich Heine ).
Achtzehn Jahre seines 59 Jahre währenden Lebens hat Heine in Düsseldorf gelebt, 25 Jahre dagegen in der Stadt, in der er auch begraben ist, in Paris. Und doch haben vor allem die Erlebnisse und Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend in der Stadt am Rhein sein dichterisches Werk weithin geprägt. Sie seien im folgenden sehr kurz an Hand des schon erwähnten Buches "Heine und Düsseldorf" aus dem Heinrich-Heine-Institut 1) kurz nachgezeichnet. Heine selbst hat diese Düsseldorfer Zeit u. a. in "Ideen. Das Buch Le Grand" und in den "Memoiren" beschrieben. Heinrich Heine wurde am 13. Dezember 1797 geboren, zwei Jahre vor dem Tod des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz, dem auch das Herzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf gehörte (siehe auch: Marmorkopf Carl Theodor ); 1777 erbte er auch die bayerische Kurwürde und residierte seitdem in München. Sein Nachfolger, Kurfürst Maximilian Joseph, avancierte nach den Siegen Napoleons über halb Europa 1805 zum König von Bayern. Im Gegenzug verzichtete er im März 1806 auf das Herzogtum Berg und überließ es Napoleon. Am 24. März zog der neue Großherzog, Napoleons Schwager Joachim Murat, in Düsseldorf ein. Ihm folgte, als er König von Neapel wurde, formell der minderjährige Neffe des Kaisers, Napoléon-Louis, Sohn des Königs von Holland, dessen Bruder als Napoléon III. im November 1852 aufgrund eines Plebiszits Kaiser der Franzosen wurde. Während des Wiener Kongresses ging das Gebiet des Großherzogs von Berg im April 1815 an Preußen. In dieser Zeit des Umbruchs wuchs Heine in Düsseldorf auf. Das knappe Jahrzehnt unter Napoleons Oberhoheit war für Düsseldorf eine aufregende, fortschrittliche Zeit.
Heine hat seine Erinnerungen an den Wechsel von kurfürstlicher zu großherzoglicher und dann preußischer Herrschaft im "Buch Le Grand" beschrieben. Die Beschreibung fasst Kruse so zusammen:2)

"Ein Untergang der gewohnt gemütlichen Welt aus der Sicht des Schülers wird entworfen, dem das Napoleon-Ereignis, die Anwesenheit des Kaisers in Düsseldorf vom 2. bis 5. November 1811, als messianischer Entwurf kontrastiert, bis endlich dem studentischen Besucher die Umwandlung zum engen preußischen Hofstädtchen als tristes Herbstbild erscheint. Die Figur des Tambours Le Grand, dessen Botschaft über die Prinzipien der Französischen Revolution und ihren Vollstrecker Napoleon vom jungen Schriftsteller weitergetragen wird, gehört zu Heines nachdrücklichsten Schöpfungen."

Der Besuch Napoleons in Düsseldorf findet seinen Niederschlag in der folgenden Schilderung: 3)

"Es war eben in der Allee des Hofgartens zu Düsseldorf. Als ich mich durch das gaffende Volk drängte, dachte ich an die Thaten und Schlachten, die mir Monsieur Le Grand vorgetrommelt hatte, mein Herz schlug den Generalmarsch - und dennoch dachte ich zu gleicher Zeit an die Polizeyordnung, dass man bey fünf Thaler Strafe nicht mitten durch die Allee reiten dürfte. Und der Kaiser mit seinem Gefolge ritt mitten durch die Allee, die schauernden Bäume beugten sich vorwärts, wo er vorbeykam, die Sonnenstrahlen zitterten furchtsam neugierig durch das grüne Laub, und am blauen Himmel oben schwamm sichtbar ein goldner Stern. Der Kaiser trug seine scheinlose grüne Uniform und das kleine, welthistorische Hütchen. Er ritt ein weißes Rößlein, und das ging so ruhig stolz, so sicher, so ausgezeichnet - wär' ich damals Kronprinz von Preußen gewesen, ich hätte dieses Rößlein beneidet."

Heine spielte auf dem Schlossplatz, er besuchte die Klosterschule im alten Franziskanerkloster auf der Citadellstraße, er tauchte wann immer möglich bei seinem Onkel mütterlicherseits Simon van Geldern in der Mertensgasse 1 auf (heute Haus und Geschäftsstelle des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges), um in dessen - für den Schüler - unerschöpflicher Bibliothek zu stöbern. Im Herbst 1815 ging Heine für einige Zeit nach Frankfurt am Main, um dort bei einem Kaufmann und bei dem Bankier Rindskopf zu volontieren. Im Juni 1816 kam er nach Hamburg unter die geschäftliche Obhut seines Onkels Salomon. Nach dem Willen der Familie wurden die Weichen für die Kaufmannsbiographie gestellt. Aufgrund des väterlichen Bankrotts, der schwierigen Wirtschaftslage und des mangelnden Interesses von seiner Seite wurde nichts daraus.
Als Heine nach drei Jahren zurückkehrte, brauchte er Düsseldorf nur noch zur Vorbereitung auf sein juristisches Studium in Bonn. Mit dem Studienbeginn im Wintersemester 1819 ist die Düsseldorfer Zeit eigentlich abgeschlossen. Denn bereits im Frühjahr 1820 verlässt der Rest der Familie das (später erworbene) Haus in der Bolkerstraße 42, das anschließend versteigert wird. Im September 1820 macht Heine der Heimatstadt einen letzten Besuch. "Das Paradies seiner Kindheit ist für immer verloren. Was fast 40 Jahre später in Düsseldorf zu den Standesamtsakten genommen wurde, war die als offizielle Meldung aus Paris an den Geburtsort geleitete Sterbeurkunde. Damit war der Kreis für einen der berühmtesten Dichter der Weltliteratur geschlossen." 4)
1821 bis 1823 setzte Heine sein Jurastudium fort, u. a. in Berlin; 1825 Besuch bei Goethe; 1825 Abschluss seines Studiums und Promotion in Göttingen und Übertritt zum Protestantismus. 1831 ging Heine als Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung nach Paris.
Mit dem Bundestagsbeschluss von 1835, der die Bücher aller Schriftsteller des "Jungen Deutschlands" verbot, darunter auch Heinrich Heine, war diesem die Rückkehr nach Deutschland unmöglich geworden. Erst 1843 reiste Heine zum ersten mal wieder in sein Heimatland. Seine Krankheit - eine zunehmende Lähmung des gesamten Körpers - machte ihm schon 1834 das Sehen und Schreiben zur Qual. Im August 1848 schreibt er an seine Schwester nach Deutschland: "Der Zustand meiner Augen ist so peinlich, dass ich jeden Brief, den ich eigenhändig schreibe, mit einem Tag der heftigsten Schmerzen erkaufe. (...) Seit 2 Monaten habe ich den Gebrauch meiner Füße und Beine ganz verloren und muß auf einem Sessel hin- und hergerollt werden." 5) . Heine spricht von seiner "Matrazengruft". Am 17. Februar 1856 stirbt Heine in Paris; er wird auf dem Friedhof in Montmartre begraben.

Denkmale | Sichtbare Zeichen

       Heimatverein Düsseldorfer Jonges e.V. | Mertensgasse 1 | 40213 Düsseldorf | Tel. 0211/135757 | Fax: 0211/135714 | Email: info@duesseldorferjonges.de | Kontakt | Impressum | by DKN