Das Haus in der Düsseldorfer Mertensgasse 1 hat
stadthistorische Bedeutung durch Heinrich Heine erhalten. In diesem Hause hatte
sein Großvater Gottschalk (1726-1795) und dann sein Onkel Simon van Geldern
gewohnt, der für Heines Entwicklung eine wesentliche Rolle gespielt hat.
Heine selber schreibt über ihn und das Haus: 1)
"Er war ein Sonderling von unscheinbarem, ja sogar närrischem
Aeußeren. (...) Nach weltlichen
Begriffen war sein Leben ein verfehltes. Simon de Geldern hatte im Collegium der
Jesuiten seine sogenannten humanistischen Studien, Humaniora, gemacht, doch als
der Tod seiner Eltern ihm völlige Wahl zu einer Lebenslaufbahn ließ, wählte er
gar keine, verzichtete auf jedes sogenannte Brodstudium der ausländischen
Universitäten und blieb lieber daheim zu Düsseldorf in der Arche Noae, wie das
kleine Haus hieß welches ihm sein Vater hinterließ und über dessen Thüre das
Bild der Arche Noae recht hübsch ausgemeißelt und bunt koloriert zu schauen war.
(...)
Dieser Oheim war es nun, der auf meine geistige
Bildung großen Einfluß geübt und dem ich in solcher Beziehung unendlich viel zu
verdanken habe. (...) Er beschenkte schon den Knaben
mit den schönsten kostbarsten Werken, er stellte zu meiner Verfügung seine
eigne Bibliothek, die an klassischen Büchern und wichtigen Tagesbroschüren so
reich war und er erlaubte mir sogar, auf dem Söller der Arche Noae in den Kisten
herumzukramen worin sich die alten Bücher und Skripturen des seligen Großvaters
befanden."
In den Kisten auf dem Söller hat Heine auch das
Notizbuch des Bruders seines Großvaters, Simon van Geldern (1720-1774),
gefunden, ein mit arabischen, syrischen, koptischen Buchstaben durchsetztes
Heft des berühmten "Chevaliers" , der auch den Zunamen "der Morgenländer"
empfing, weil er große Reisen im Oriente gemacht und sich bey seiner Rückkehr
immer in orientalische Tracht kleidete."
Dieser Großonkel, offenbar ein Glücksritter und Schwärmer des
18. Jahrhunderts, war in den Küstenstädten Nordafrikas Waffenschmied gewesen, hatte nach Jerusalem eine
Wallfahrt gemacht und war schließlich von einem unabhängigen
Beduinenstamm zum Scheich erkoren.
Dann hatte er verschiedene Höfe besucht und überall durch Schönheit, orientalische Pracht
und Geheimnisse geglänzt.
Ein Liebesabenteuer mit einer sehr vornehmen Dame zwang ihn zur Flucht und setzte wohl seiner Karriere
ein Ende. Dieser tote Simon van Geldern beschäftigte
noch lebhafter als der lebende (Onkel) die Phantasie des Jungen. 2)
(zu Heinrich Heine siehe auch:
Erinnerungstafel Heinrich Heine
und
Kopfplastik Heinrich Heine
)



