Erinnerungstafel Universität Düsseldorf

In den Abendstunden des 14. November 1968, am Vorabend der dritten Wiederkehr der Gründung der neuen Universität Düsseldorf, enthüllten die Düsseldorfer Jonges über dem Eingang der Gaststätte "Im Goldenen Kessel" auf der Bolkerstraße 44 eine Erinnerungstafel mit der Inschrift:

Hier verfassten 25 aus dem Kriege heimgekehrte Düsseldorfer Medizinstudenten im Frühjahr 1919 eine Denkschrift. Diese war ein wesentlicher Beitrag zur Gründung der Medizinischen Akademie, der jetzigen Universität Düsseldorf. Heimatverein Düsseldorfer Jonges 1968

Der Brauereiausschank "Im Goldenen Kessel" galt schon in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg als bevorzugter Dämmerschoppenort der Düsseldorfer Ärzteschaft und besonders des Lehrkörpers der bereits 1907 gegründeten "Akademie für praktische Medizin". Nach dem verlorenen Kriege waren für die als Hilfsunterärzte eingesetzten rheinischen Medizinstudenten der höheren Semester die Universität Straßburg weggefallen und in den verbleibenden Universitäten Köln, Bonn und Münster infolge der unruhigen Zeitläufe kaum Studentenwohnungen zu bekommen.
So entschlossen sich die zurückkehrenden Düsseldorfer Medizinstudenten, einen Sprecher der Klinikerschaft zu wählen, der dem Berliner preußischen Kultusminister der jungen Weimarer Republik ein Memorandum mit der Forderung auf Fortsetzung des Studiums an der Düsseldorfer "Akademie für praktische Medizin" überreichen sollte. Dieser studentische Vorschlag wurde von allen Mitgliedern der Professorenschaft der Akademie, vor allem vom politisch sehr aktiven Direktor der Kinderklinik, Arthur Schlossmann - die Klinik trägt heute seinen Namen - unterstützt. Die entscheidenden Beratungen fanden im "Goldenen Kessel" statt.
Die Gedenktafel wurde vom Baas der Jonges, Hermann Raths, feierlich enthüllt, und der damalige Oberbürgermeister Becker nahm sie in die Obhut der Stadt. Anwesend waren auch einige jener 25-köpfigen Studenteninitiative, die im Frühjahr 1919 in dieser Gaststätte den Anstoß zur Gründung der Medizinischen Akademie gegeben und ihre Forderungen niederschrieben hatten. Zu den noch lebenden Teilnehmern gehörten Prof. Dr. Kindler, Heidelberg, der alte 39er, Medizinalrat Dr. Peretti, ferner der Facharzt Dr. Paul Hans Inden, dazu Frau Dr. Margarete Senft. Zur Stelle war auch die Kinderärztin Dr. Erna Eckstein-Schlossmann, Tochter des Geheimrats Schlossmann. Ohne den Geheimrat Schlossmann wäre eine derartige Gründung unmöglich gewesen.
Schlossmann als Schöpfer der grandiosen Ausstellung Gesolei 1926, als Direktor der Kinderklinik der Krankenanstalten, der revolutionäre neue Wege in der Säuglingsbehandlung fand, trieb als Berliner Parlamentsmitglied die Sache energisch voran. Er brachte den Vorstand jener Studenteninitiative mit dem preußischen Kultusminister und weiteren Ministern an einen Tisch in einem Privathaus an der Sternstraße zusammen, und schon am 7. Mai 1919 konnte der klinische Lehrbetrieb, aufgrund eines Genehmigungstelegramms von Professor Schlossmann, aufgenommen werden.
Der Rektor der Universität, Professor Diemer, freute sich bei der Übergabe 1968 über die enge Verbundenheit zwischen der Dozentenschaft und den Studenten, zwischen der Stadt Düsseldorf und der Hochschule. Bei einem nachfolgenden Beisammensein in dem alten Brauereiausschank zeigte zur Abrundung des Ganzen Prof. Dr. Hans Schadewaldt, Ehrenmitglied des Vorstandes der Düsseldorfer Jonges, eine Schautafel hinter Glas mit Wiedergaben von Urkunden, Bildern aus jener turbulenten Gründerzeit und die Autographien der bei der Einweihung anwesenden Düsseldorfer Jonges und deren Gäste.
So haben die Jonges den Beginn des medizinisch-akademischen Unterrichts in einem der bekanntesten Bierlokale Düsseldorfs, sozusagen gegenüber der Geburtsstätte - Bolkerstraße 53 - des großen Dichters Heinrich Heine, der Nachwelt überliefert.

Fast genau zwanzig Jahre nach der Enthüllung dieser Erinnerungstafel hat die Universität Düsseldorf - nach heftigen, langen Diskussionen - am 20. Dezember 1988 den Namen "Heinrich-Heine-Universität" erhalten.

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