Gedenktafel Adolph von Vagedes

Düsseldorf feierte 1963 die 675. Wiederkehr der Stadtgründung im Jahre 1288. Aus diesem Anlass haben die Düsseldorfer Jonges am 14. September des Jubiläumsjahres am nördlichen "Tempel" des Ratinger Tors eine bronzene Gedenktafel enthüllt mit der Inschrift:

Zum Gedenken an den Baumeister und Schöpfer des klassizistischen Düsseldorf, Adolph von Vagedes 1777 - 1842, von dessen Bauten dieses Ratinger Tor erhalten blieb.
Heimatverein Düsseldorfer Jonges 1963

Adolph von Vagedes stammte aus dem Münsterland und war als Dreißigjähriger von dem Staatsrat Georg Arnold Jacobi, der für die im Frieden von Luneville auferlegte Entfestigung der Stadt zuständig war, nach Düsseldorf berufen. Hier trat er die Nachfolge des Hofbaumeisters Kaspar Anton Huschberger an. Seine Bedeutung für Düsseldorf beschreibt Hugo Weidenhaupt in seiner Geschichte Düsseldorfs wie folgt:1) "Als Baudirektor im Großherzogtum Berg hat Vagedes ab 1811 das Ratinger Tor errichtet. Der eindrucksvolle Bau, bei dem er die Athener Propyläen nachbildete - eines seiner Hauptwerke -, ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse seiner Tätigkeit in Düsseldorf."
Sein Biograph Kordt 2) sieht in dem Ratinger Tor ein weitwirkendes Vorbild auch für Schinkels "Neue Wache" in Berlin und Klenzels Münchener Bauten. Ein Kirchenbau, der zumindest auf einen ersten Entwurf Vagedes zurückgeht, war die Pfarrkirche in Hamm. Ausgeführt wurde sie nach einem stark reduzierten Entwurf von dem Bauführer Walger in den Jahren 1824-1825. Der Bau war in der Gestaltung so schlicht, dass die Gemeinde ihn, weil er "ohne eigentlichen kirchlichen Stil" erbaut war, 1911 durch eine neuromanische Kirche ersetzte.
Vagedes als anerkannter Fachmann wurde von Gruner in die Verwaltung des General-Gouvernements übernommen und wurde 1816 Regierungsrat in der Bezirksregierung Düsseldorf. Sein Einfluss auf die Gestaltung der Stadt kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Er prägte nicht nur durch sein Vorbild eine ganze Reihe teilweise tüchtiger Architekten in der Stadt und errichtete mindestens sieben Privathäuser, sondern wirkte, indem er die einheitliche Gruppenfassade betonte und auch als Stadtplaner tätig war, außerordentlich nach. Die Städte Düsseldorf und - mehr noch - Krefeld verdanken ihm noch heute eine gewisse planungsgeschichtliche Sonderstellung.
Im Sommer 1822 übersandte der Landrat dem Oberbürgermeister einen von Vagedes entworfenen "Stadtbauplan" mit einem Erläuterungsbericht und forderte die Stadt auf, das Honorar von 65 Talern und 25 Silbergroschen an Vagedes auszuzahlen. Der Plan ist verschollen, der Erläuterungsbericht in Abschriften erhalten. Wären die Ideen von Vagedes damals verwirklicht worden, so hätte ohne Zweifel die Innenstadt Düsseldorfs ein weitgehend anderes Gesicht bekommen. Seine einzelnen Vorschläge umfassen einen ganzen Katalog. Er wollte die Straße Alte Stadt zum Rhein hin durch eine großzügige Freitreppe mit einer Rheinuferstraße öffnen. (Eine Freitreppe ist heute am Burgplatz vorhanden, die Rheinuferstraße im Tunnel verschwunden.) Der Sicherheitshafen (heute Gelände vor der Kunstakademie) sollte zugeschüttet werden. An seine Stelle sollte eine Werftanlage treten. Den Paradeplatz, den heutigen Grabbeplatz, wollte er zu einer waagerechten Fläche auffüllen, mit einer Brunnenanlage besetzen und mit der heutigen Heinrich-Heine-Allee ebenfalls mit einer Freitreppe verbinden.
Vor allem aber plante er, die heutige Königsallee zur Mittelallee der Stadt zu machen, diese durch einen in regelmäßigen Baublocks gegliederten Neubauteil für Wohnzwecke nach Osten hin zu erweitern, der etwa dieselbe Ausdehnung haben sollte wie die Stadt zwischen dieser Mittelallee und dem Rhein. Vagedes hatte bei seinen Planungen keine Hemmung, in die neugeschaffenen Hofgartenanlagen einzugreifen. Dabei sollte nicht nur der "runde Weiher" im Zuge der Reitallee zugeschüttet, sondern auch der "Napoleonsberg", den er ein "Hügelchen" nannte, abgetragen werden, damit die heutige Heinrich-Heine-Allee in voller Breite nach Norden weitergeführt werden konnte. Was Vagedes vorschwebte, war eine Stadt, in der nicht nur die neuen Stadtteile vom Klassizismus geprägt sein sollten - in Übereinstimmung von Grund- und Aufriss -, sondern auch der überkommene Teil der Stadt sehr weitgehend im Sinne seiner künstlerischen Ideen umgestaltet werden sollte.
Seine Vorschläge riefen beträchtliche Kritik hervor. Die Stadtverordneten lehnten sie ab. Maximilian Friedrich Weyhe (siehe auch: Grabtafel Maximilian Friedrich Weyhe und Gedenktafel Maximilian Friedrich Weyhe ) verteidigte mit einem 1825 erstellten Gutachten sein Werk. Es kam, wie es wohl kommen musste. Von Vagedes' großzügigen Ideen blieb in dem Kompromiss, den der König dann schließlich 1831 genehmigte, kaum etwas übrig. Dennoch - oder gerade weil er ein Kompromiss zwischen den Ideen von Vagedes und Weyhe ist - ist dieser Plan von 1831 die Grundlage für die "Gartenstadt" geworden, die Düsseldorf bis weit in das 19. Jahrhundert hinein gewesen ist. Der Bauplan von 1831 trug wesentlich dazu bei, dass die Stadt "den Charakter einer vornehmen Behörden- und Beamtenstadt bis zum Beginn der fünfziger Jahre gewahrt" hat.

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