Gedenktafel Maximilian Friedrich Weyhe

Anlässlich des 200. Geburtstages von Maximilian Friedrich Weyhe, dem Schöpfer der "Gartenstadt Düsseldorf", stifteten die Düsseldorfer Jonges 1975 eine Gedenktafel aus Bronze. Sie ist der Ersatz für eine gleichartige Tafel aus Muschelkalk, die der Heimatverein 1933 gestiftet hatte und die an Weyhes Wohnhaus auf der Jakobistraße 12 angebracht war. Das Haus fiel den Bomben im Krieg zum Opfer, die Tafel wurde gleichsam zertrümmert. Die Reste des Hauses wurden für die Erweiterung des fiskalischen Hofgartens abgerissen.
Die bronzene Gedenktafel fand ihren neuen Platz am Hofgärtnerhaus, das seit 1804 bis heute erhalten blieb. Weyhe bezog 1804 das jüngst von Hofbaumeister Huschberger neu errichtete Hofgärtnerhaus, welches das vorherige, 1796 gesprengte ersetzte. Vier Jahre wohnte er hier. Später zog er in das Haus auf der Jakobistraße 12, da ihn der ebenfalls hier untergebrachte Kaffeebetrieb zu sehr störte.
Das Hofgärtnerhaus wurde einst von Garteninspektor Behrends bewohnt, wodurch es seinen Namen erhielt.
Maximilian Friedrich Weyhe entstammt einer Gärtnerfamilie mit Tradition. Sein Vater, Josef Peter Weyhe, war in Brühl und auch in Bonn und Poppelsdorf Hofgärtner des Kurfürsten Clemens August von Köln. Auch sein Großvater Adrian war dort Gärtner. Näheres über die Jugend und den beruflichen Werdegang Weyhes findet der Leser unter: Grabgedenktafel Weyhe.
Erstmals 1801 rief der Staatsrat Georg Arnold von Jakobi Maximilian Friedrich Weyhe nach Düsseldorf, aufgrund einer Empfehlung vom Münsteraner Minister und Generalvikar Franz von Fürstenberg. Jakobi suchte einen Berater und Gutachter für die Festungsanlagen, die infolge des Vertrages von Luneville abgerissen und geschleift wurden und neu zu gestalten waren.
Von den Fähigkeiten des jungen Gärtners überzeugt, gewann Jakobi Weyhe, der sogar aus Moskau Angebote bekam, mit einem für damals stattlichen Jahresgehalt von 300 Thalern (ca. 15.000 DM). Nach zunächst zwei weiteren Jahren gärtnerischer Tätigkeit in Köln wurde Weyhe schließlich nach Düsseldorf berufen.
In einem Schreiben vom 4. Jänner 1803 an den Kurfürsten, die Anstellung Weyhes betreffend, heißt es unter anderem: Man habe " (...) einen Mann ausfindig gemacht; der nicht allein die Arbeiten in dem Hofgarten und den anzulegenden neuen Pflanzungen in den zerstörten Befestigungswerken zu leiten, sondern auch dem Botanischen Garten und einer Forst- und Obstbaumschule (in Moers) vorzustehen, und die Kandidaten der Arzney und Naturkunde den ersten Unterricht in der Botanik, woran es hier immer gemangelt hat, zum ertheilen vollkommen fähig ist".
Eine der wichtigsten Aufgaben des Hofgärtners betraf die Wiederherstellung des alten, des fiskalischen Hofgartens am Schloss Jägerhof. Dieser Garten war ab 1769 auf Wunsch des damaligen Landesherrn, des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz und Bayern (1724 - 1799), entstanden. Sein Architekt Nicolas de Pigage (1723-1796) entwarf einen schon in die Zukunft weisenden Plan, in dem er große Alleen und landschaftlich gestaltete Partien miteinander verband. Als "Öffentliche Promenade" sollte dieser Garten "zur Lust der Einwohnerschaft" jedem Besucher frei zugänglich sein. Doch gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte die Anlage, auch "Pempelforter Promenade" genannt, unter Kriegseinwirkung großen Schaden genommen.
Weyhes Entwurf zur Wiederherstellung, gefertigt 1804, brachte einige Veränderungen: Auf zwei kleinere Alleen wurde verzichtet, doch behielt Weyhe die von Pigage angelegte breite Mittelachse ebenso bei wie die sogenannte Seufzerallee entlang dem Düsselkanal, der die Anlage im Süden begrenzt.
Die zuvor schon im landschaftlichen Stil geschaffenen Gartenbereiche veränderte Weyhe durch Schaffung weiterer Rasenflächen und einer großzügigeren Wegeführung. Der Spiegelweiher im Westen beginnend erhielt durch Rasenbänder an den Ufern weichere Konturen. Dazu wurde eine große Anzahl einheimischer und auch exotischer Laub- und Nadelhölzer neu gesetzt, als Solitärbäume oder in dichter Gruppierung.
Nach der Fertigstellung dieser Partie ging die weitere Verschönerung der Stadt zunächst zügig voran. Weyhes Pläne für die drei Teile des neuen, städtischen Hofgartens auf dem Gelände der geschleiften Festungswerke wurden schon ab 1808 realisiert. Malerische Gartenanlagen entstanden, der Boden wurde meisterhaft modelliert, Hügel aufgeschüttet und langgezogene Rasenmulden mit schattigen Ruheplätzen geschaffen. Die Bepflanzung wurde nach Wuchs und Farbe überlegt und sorgsam ausgewählt. Bestimmendes Element wurde das Wasser, wie in zahlreichen anderen Gartenschöpfungen Weyhes auch. Die sogenannte Landskrone, ein aus den ehemaligen Befestigungsgräben entstandenes Gewässer, verband den ersten und den zweiten Teil der neuen Hofgärten.
Das große Schaffen Weyhes in Düsseldorf kann nur der ermessen, der weiß, welche dringenden Aufgaben ihn unter sehr schweren Bedingungen erwarteten. Vor ihm lag ein Trümmerfeld. An der Peripherie waren die Stadt mit den Stadttoren Karltor, Berger Tor und Ratinger Tor, um nur einige zu nennen, und die Festungswerke restlos zerstört. Die Festungswerke und Glacis waren eine Wüste, die alten Festungsgräben waren sumpfige Löcher. Auch der Hofgarten mit den Promenaden, den Boskets, den Plastiken und den Bäumen war durch den Krieg und die Willkür umherziehender Vagabunden in Mitleidenschaft gezogen worden.
Außerhalb der ehemaligen Befestigungen, in der Neustadt und in der Karlstadt, waren riesenhafte Trichter voller Wasser, stinkend und ekelerregend, so an der "Krautmühle bei Bilk" und am "Holländischen Haus". Mehr als 70 Jahre hatte man diese Gegend vernachlässigt. Weyhe, der Anweisungen von Napoleon höchstselbst erhielt, bat den französischen Kaiser, den Bürgern der Stadt das Gelände der geschleiften Festungsanlagen zu schenken: "Es geht um Düsseldorf, Sire, um die Entwicklung der Kunststadt, die Eurer Majestät am Herzen liegt. Majestät werden die Absicht der Bergischen Regierung, das für die Stadt kostbare Gelände als Staatsgut verwerten, durchkreuzen. Geben Eurer Majestät der Stadt die Möglichkeit zur Entwicklung, Sire! Das Volk wird Eurer Majestät dankbar sein, ihm die Anlagen geschenkt zu haben!"
In dem Verschönerungsdekret, das von Napoleon 1811, sechs Wochen nach seinem Besuch in Düsseldorf, erlassen wurde, heißt es in Art. 3 ausdrücklich: "Die alten Festungswerke und Glacis werden der Stadt geschenkt, um nach dem Verschönerungsplan mit Bäumen bepflanzt zu öffentlichen Spazierengehen eingerichtet zu werden." Was einigermaßen in Ordnung war, das waren die Bürgergärten, die sich am Schloss Jägerhof ausdehnten und bis zum heutigen Graf-Adolf-Platz erstreckten. Von der ehemaligen Reuterkaserne bis hin zur Golzheimer Insel gab es im Norden noch intakte Landschaft. Der Städteplaner Huschberger hatte (für die damalige Zeit vorausschauend) große Straßenzüge, wie die Königsallee und die Heinrich-Heine-Allee (früher Hindenburgwall), auf den früheren Befestigungswerken angelegt.
Beim Dienstantritt Weyhes erlebten beide Straßenzüge unter Jacobis Führung ihren Ausbau. Bereits im Jahre 1801, im Oktober, hatte der Hofbaurat Huschberger einen Plan für die Schleifungs- und Verschönerungsarbeiten aufgestellt. Das hatte inzwischen die bayerische Regierung veranlasst. Eine besondere Kommission aus Hofbaurat Huschberger, Wasserbaumeister Bauer und später, von 1803 an, auch Maximilian Friedrich Weyhe führte diesen Plan unter Federführung Georg Arnold Jacobis durch.
Dieses Gremium hatte vorbildliche Arbeit geleistet: Die Königsallee und die Hofgartenstraße waren bereits ein Jahr später, im Jahre 1804, ausgebaut worden. Höchstwahrscheinlich ist auch bald darauf die heutige Heinrich-Heine-Allee, ursprünglich Napoleon-Allee, fertiggestellt worden.
Es ist bekannt, dass Weyhe schon im Jahre 1804 die damalige Jägerhofstraße, die heutige M.F.Weyhe-Allee, und den nördlichen Hofgarten mit 370 Waldbuchen (Fagus silvatica), die einen schweren Ballen hatten, bepflanzte. Die Hofgartenstraße und die Elberfelder Straße wurden mit Ahorn (Acer platanoides) bepflanzt. Hierzu kam die Landstraße vom Berger Tor bis zur Neustadt, die mit 238 Pappeln (Populus pyramidalis) angelegt wurde. Die Geschäftsseite der Königsallee wurde mit holländischen Linden (Tilia hollandiea) und Pappeln (Popus pyramidalis) bepflanzt. Bereits im Jahre 1805 ließ Weyhe die Westseite der Königsallee und den Kö-Weiher mit Pappeln (Populus pyrarnidalis) bepflanzen. Es leuchtet ein, daß Weyhes Aufgabe sich nicht nur auf die Grüngestaltung beschränken konnte. Klar und deutlich zeichnete sich hier eine Neuordnung ab. Am südlichen Rand der Stadt ging die Stadtplanung nur tastend vor. Leider sah die damalige Stadtplanung ihre Aufgabe nur in der Erweiterung der Karlstadt bis etwa an die Königsallee heran und in der Altstadt bis zur heutigen Heinrich-Heine-Allee.
Nach der Pensionierung Huschbergers berief Murat schließlich 1808 als seinen Baudirektor den genialen Architekten und Schinkel-Schüler Adolph von Vagedes, an den ja heute noch das Ratinger Tor und die Heinrich-Heine-Allee erinnern, und der auch sonst als Städtebauer von hoher Qualität angesehen werden kann (siehe auch: Gedenktafel Adolph von Vagedes ).
Am 28. Dezember 1819 legte Weyhe den auf Verordnung der Königlichen Regierung vom 5. Oktober 1819 und auf Veranlassung des Hohen Ministerialbefehls vom 7. September des gleichen Jahres von ihm angefertigten Generalplan der Stadt Düsseldorf und ihrer Umgebungen vor. Der "Generalplan" aus dem Jahre 1819 zeigt aber eins ganz deutlich, nämlich dass Weyhe hier weit über den Rahmen des Grünplaners hinausgeht, in das Gebiet des Stadtplaners. Es liegt ein Bauplan von Vagedes vom Jahre 1822 vor. Neue Wohnquartiere wurden im Süden und Norden der wachsenden Stadt verlangt. Vagedes bot den landschaftlich gestalteten Teil am Hafen mit Napoleonsberg an, um gleichzeitig den Napoleonsberg durch eine Straße fortzunehmen. Selbst die Vertreter der Bürgerschaft zeigten sich grünfeindlich. Ihre Wünsche - man kann das heute nicht mehr verstehen - gipfelten sogar in der Überbauung der Landskrone, was ihre Zuschüttung bedeutet hätte. Auch die Zuschüttung des Weihers im Hofgarten, 2. Teil, stand auf der Tagesordnung.
Weyhe sah sich im Jahre 1825 auf Anforderung der Regierung genötigt, ebenfalls seinen Bebauungsplan aufzustellen. Er plante im 3. Teil des Hofgartens, an der heutigen Kaiserstraße, von der Weyhe-Allee aus nach Norden einen Wohnblock, hinter dem eine Straße in seinem Plan als "Weseler Straße" bezeichnet ist. Er wollte hierdurch den entscheidenden Teil des Hofgartens mit der späteren Schützenwiese und dem Napoleonsberg vor der Bebauung retten. Im Süden konnte sich der Vagedessche Plan durchsetzen, während Weyhe den Speeschen Weiher, den Schwanenspiegel und den Kaiserteich mit den heutigen Ständehausanlagen ausführte. Der Speesche Weiher musste allerdings eine Kürzung hinnehmen.
Zum Ruhm für Düsseldorf gab es damals schon einsichtige Männer in der Regierung, die den "Aufstand" der Bürgervertreter im Keime erstickten. Und welche Stadt beneidet die Landeshauptstadt heute nicht wegen ihres im Herzen der City gelegenen Hofgartens. Wenn man den Erläuterungsbericht zum Plan zur Vergrößerung der Stadt Düsseldorf 1825 durchliest, dann zeugt das für die Bescheidenheit Weyhes, wenn er schreibt: "Da ich wohl einsehe, daß der Entwurf des Planes zur Anlage oder Vergrößerung der Stadt mehr zum Fache des Architekten als des Garteningenieurs oder Gartenkünstlers gehört, so glaube ich darauf rechnen zu dürfen, daß man bei Beurteilung meiner desfalsigen Arbeit mir einige Nachsicht wird angedeihen lassen, und ich bin umsomehr genötigt, darum zu bitten, als ich bei meinen vielen, übrigen Berufsgeschäften diese Arbeit in beschränkter Zeit und nur unter vielen und oft langen Unterbrechungen ausführen konnte."
Weyhe war überregional ein anerkannter Garten- und Landschaftsarchitekt. Außer dem grünen Gürtel um das damalige Düsseldorf, was zweifellos eine seiner wichtigsten Schöpfungen ist, hat Weyhe auch in anderen Orten rund um Düsseldorf bis heute erhaltene Andenken geschaffen. Besonders zu nennen sind der Lantzsche Park in Lohausen, der Schlosspark zu Kalkum und der "Dicke Busch" Schlosspark Heltorf. Im Süden von Düsseldorf entstanden unter seiner Führung der Englische Garten am Schloss Benrath und der Garten von Schloss Mickeln in Himmelgeist. Des weiteren erschuf Weyhe den Park zu Schloss Dyck, den Ginkhofpark in Erkrath, Burg Linn Krefeld, mehrere Anlagen in Kleve und viele weitere Anlagen am Niederrhein bis hin nach Belgien und an den Bodensee.

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