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Der Namensdagshas von 1911

06.05.2016
20.00-21.00 Uhr

Im Jonges-Archiv befindet sich neben einigen modernen Schallplatten auch eine Schellackplatte, die 1911 auf dem Label „ZONOPHONE RECORD“ erschien. Auf beiden Seiten ist keine Musik zu hören, sondern die Tonaufzeichnung eines humoristischen Gedichtes. Hans Müller-Schlösser spricht persönlich über 4 Minuten und 38 Sekunden (beide Seiten) seine Ballade „Der Namensdagshas“, natürlich in rheinischer Mundart.

Hans Müller-Schlösser, eigentlich Johann Müller (1884-1956) ist heute einer der bekanntesten Düsseldorfer Mundartdichter. Neben der schriftstellerischen Arbeit war er aber auch als Lokalreporter und Schauspieler tätig und leitete von 1945 bis 1948 das „Kleine Theater an der Flingerstraße“. Sein bekanntestes Bühnenwerk ist die 1913 entstandene und später verfilmte Komödie „Schneider Wibbel“. Zu Müller-Schlössers bodenständigem Witz gehörte auch eine gehörige Portion Eigensinn. So setzte er gerichtlich durch, seinem Sohn den Vornamen „Heiter“ geben zu dürfen – „Ernst“ sei ja schließlich auch erlaubt.

„Der Namensdagshas“ erschien vermutlich zuerst 1910 im Gedichtband „E fein Jebräu und andere Versdichtungen in Düsseldorfer Mundart“ im Düsseldorfer Verlag von Matthias Strucken. Die Ballade handelt in 26 Zweizeilern von einem Hasen, den der Baas seiner Frau als Festschmaus zum Namenstag gekauft hatte. Der zukünftige Braten wird dann allerdings vom Muggel, Schöllers Kromm und Lelbecks Emil nacheinander gestohlen, bis er endlich wieder zum Baas zurückfindet.

Om Namensdag vom Fräuke, do koofeden sich d’r Baas
För fönfonzwanzig Jrosche ne muggelije Has.

On weil hä bei sich dachden, wat dat för e Späßke wör,
Hing hä dä Hasebrode sin Frau an de Köchedöhr.

Dat hat jesenn d’r Muggel, dat wor ene Hallonk,
Kee Dier wor vör dem secher, nit Has noch Katz on Honk.

On jrad op anger Lütts Häskes, do hat hä et jot drop stonn,
Dröm leeß hä och em Baas sins meteens hösch met sich jonn.

Noms Bertram op de Rhingstroß, bestellt sich e Jläske Bier
On op de Fensterbank lähden hä dat jestohlene Dier.

….


Die Schellackplatte befindet sich nach 105 Jahren immer noch in einem sehr guten Zustand. „Hörbücher“, wie man heute sagt, wurden auch damals weniger abgespielt als populäre Musikstücke. „Der Namensdagshas“ blieb nicht das einzige Stück von Hans-Müller Schlösser auf Schellack. Mindestens acht weitere Dichtungen sind als Tonaufnahmen aus dieser Zeit nachweisbar.

Unsere Grammophonplatte wurde im letzten Jahr für das Jonges-Archiv digitalisiert. Freunde der rheinischen Mundart können das Digitalisat als mp3-Datei auf unserer Homepage abrufen. An dieser Stelle sei dem Mülheimer Sammler von Schellackplatten, Herrn Klaus Schröter, für die Digitalisierung und wichtige Hinweise zum Tonträger herzlich gedankt.

(Depositum „Heimatverein Düsseldorfer Jonges e. V.“ im Stadtarchiv Düsseldorf, Bestand 4-132-3, 180)

Text und Fotos von Andreas Schroyen

 

Verfügbare Downloads:
Tonaufnahme - D'r Namensdagshas

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