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Offener Dialog zu Themen der Katholischen Kirche

09.07.2015
20.00-21.00 Uhr

mit Erzbischof Heiner Koch
Besonders bemerkenswert waren die sehr offenen Antworten des designierten Erzbischofs von Berlin und Apostolischen Administrators des Bistums Dresden-Meißen Dr. Heiner Koch, auch zu kontrovers diskutierten Themen der katholischen Kirche, beim Interview auf der roten Couch beim Heimartverein Düsseldorfer Jonges am 7. Juli 2015.

Ein Rheinländer in Sachsen – kann das gut gehen? Der in Düsseldorf-Eller geborene Heiner Koch, der von 1984 bis 1989 als Hochschulpfarrer in Düsseldorf gewirkt hatte, der später von 2002 bis 2005 als Generalsekretär für die Organisation des Weltjugendtages im Köln im Jahre 2005 verantwortlich war, anschließend Weihbischof für den Süden des Erzbistums Köln und im Februar 2013 Bischof des Bistums Dresden-Meißen wurde, könnte zu diesem Thema gut und gerne einen ganzen Abend füllen. Wenn man Heiner Kochs Ausführungen beim Heimatabend des Heimatvereins „Düsseldorfer Jonges“ auf der roten Couch heranzieht, so kann man dies nur bejahen. Er beschrieb seine Aufnahme durch die Menschen im Bistum Dresden-Meißen, das bis ins Grenzgebiet zu Polen reicht, zu dem auch Leipzig und Teile von Mecklenburg-Vorpommern gehören, als sehr herzlich. Heiner Koch, der dem Brauchtum – unter anderem als Ehren-Bundespräses des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften e. V. (BHDS) und Ehrenmitglied der Kölner Prinzengarde und der Prinzengarde von Shanghai – sehr verbunden ist, stellte fest, dass die Sachsen mit dem Karneval jedoch nichts am Hut haben. Als in den Tagen seiner Einführung in Dresden die Kölner Prinzengarde mit dem Standartenträger durch Dresden marschiert sei, habe eine Frau gesagt „Der August war doch der König!“

Dass die PEGIDA-Bewegung mit der Mentalität der Menschen in Ostdeutschland zu tun hat, glaubt Heiner Koch nicht. Bei den PEGIDA-Demonstrationen in Dresden hätten zum Beispiel auch Busse aus Köln gestanden. Alle Fernsehanstalten Europas hätten über diese Demonstrationen berichtet, so dass das Thema medial sehr stark hochgekommen sei. Die Beweggründe der Teilnehmer an diesen Demonstrationen weisen ein sehr diffuses Bild auf. Darunter seien zum Beispiel Menschen gewesen, die gegen den Islam seien, anderen gegen eine Straßen-Umlegung und wieder andere haben gegen Steuererhöhungen demonstriert. Zuerst, so Koch, seien die Montagsdemonstrationen in der Wendezeit 1989 das Vorbild der PEGIDA-Demonstrationen geworden, aber dann seien Rechtsextreme an der Spitze der Demonstrationen marschiert und dann sei es gefährlich geworden. Unverständlich ist auch, so erklärte  Heiner Koch, warum gerade in einer Region, wo der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund 2 Prozent und der Anteil der Moslems 0,2 Prozent beträgt, eine derartige Fremdenfeindlichkeit vorherrscht.

Der Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung Ulli Tückmantel sparte in seinem Interview auch kontrovers diskutierte Themen wie den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homo-Ehe nicht aus, dies war umso interessanter, weil Heiner Koch in der Deutschen Bischofskonferenz für den Bereich „Ehe und Familie“ zuständig ist. Hinsichtlich der Frage, ob die Katholische Kirche nicht ein Sprachproblem dabei habe, das Thema Sexualmoral zu vermitteln, das von einer großen Mehrheit ganz anders gesehen werde, sagte Koch „Wenn ein solches Thema so viel Aufregung erregt, haben wir eigentlich schon unser Ziel erreicht. Wenn man der Überzeugung, dass eine Botschaft weiterhin gilt, dann muss man dies auch verkünden, auch wenn es von vielen abgelehnt wird. Man muss dies auch begründen und darlegen. “  In Bezug auf die Haltung der Katholischen Kirche, die wiederverheirateten Geschiedenen das Recht auf dem Empfang der Kommunion abspricht erklärte Heiner Koch „Dies ist aus theologischer Sicht problematisch. Wenn sich Eheleute bei der Trauung das Eheversprechen geben, sich dann aber später scheiden lassen und danach wieder neu heiraten, ist das ein Bruch des Eheversprechens. Es ist aus theologischer Sicht problematisch, bei der Feier der Eucharistie über diesen Bruch hinweg zu sehen.“ Zur Homo-Ehe erklärte Koch „Es geht hier nicht um eine geringere Wertschätzung von Homosexuellen.“ Er fügte hinzu, die Katholische Kirche verstehe unter der Ehe die Verbindung von Mann und Frau, von zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts. Geschlechtlichkeit sei nicht nur eine Frage der Sexualität. Psyche, Körperlichkeit, kulturelle Prägung beider Geschlechter ergänzten sich. „Deshalb betonen wir den besonderen Wert der Ehe als zweigeschlechtliche Gemeinschaft, die auch zur Zeugung neuen Lebens führt. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, den Ehebegriff zu erweitern“, merkte Koch an. Als zuständiger deutscher Bischof für den Bereich „Ehe und Familie“ wird Heiner Koch im Herbst an der Familiensynode der Bischöfe aus aller Welt in Rom teilnehmen. Koch erklärte, dass die Bischöfe aus anderen Ländern, beispielsweise Indien sich über die Diskussionen in Deutschland wunderten. Seit seiner Zeit als Generalsekretär des Weltjugendtages in Köln weiß Heiner Koch um die Vielschichtigkeit von Ortskirche, Bundeskirche und Weltkirche, dadurch wurde ihm in besonderer Weise bewusst, wie bunt die Weltkirche ist. Das Diffizile wird es daher bei der Familiensynode sein, zu einem Konsens zu kommen. Heiner Koch gab zu, dass er mit einer gewissen Anspannung nach Rom fahren werde, weil die dort zu behandelnden Themen nicht einfach seien.

Teamgeist

Das Erzbistum Berlin zählt 400.000 Katholiken. Aus derzeit 105 Gemeinden muss Heiner Koch 35 Großpfarreien bilden – wahrlich keine einfache Aufgabe. Auf der Frage hin, wie er seine Aufgaben als Diözesanbischof und künftig als Erzbischof sehe, der doch praktisch ein Manager sei, erklärte Koch, dass er sich als „Generalist“ sehe. Er wolle Lösungen immer im Team suchen. Seine Mitarbeiter seien dann die Spezialisten.

Kein Kirchenpolitiker

Heiner Koch sieht zwar die Notwendigkeit, dass sich die Katholische Kirche in der Bundeshauptstadt stärker artikulieren muss. Gleichwohl will er sich nicht als „Kirchenpolitiker“ verstanden wissen. Seine Hauptaufgabe bleibe die Seelsorge. Maßstab ist für ihn, keine Alleinentscheidungen für die Menschen in seinem Bistum zu treffen, die dann die Menschen nicht verstehen können, sondern bei seinen Entscheidungen, alle Menschen mitzunehmen.

In Berlin ist seitens der Katholischen Kirche die Einrichtung eines  Wissenschaftskollegs geplant. Hier sollen laut Koch ethische Fragen, wie etwa „Was hält die Gesellschaft zusammen?“, „Welches sind die Perspektiven für die Gesellschaft?“, das Gesundheitssystem und Flüchtlinge Themen sein. „Das muss sehr qualifiziert sein. Glaubwürdige Menschen müssen an diesem Wissenschaftskolleg in Berlin wirken“, so Koch.

Autor: Christian Dick


 

 

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